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Hochsensibilität: Die Kunst, die Welt intensiver zu erleben

In einer reizüberfluteten Welt gibt es Menschen, die diese Reize besonders intensiv wahrnehmen – die Hochsensiblen. Hochsensibilität beschreibt eine Eigenschaft, die etwa 15-20% der Bevölkerung betrifft. Wie kann man in einer hektischen Welt damit umgehen?


Was ist Hochsensibilität?


Hochsensibilität ist eine angeborene Besonderheit in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Umweltreizen (Krampe & van Rondenborgh, 2023). Reize werden intensiver wahrgenommen, tiefer kognitiv verarbeitet und lösen stärkere physiologische Reaktionen aus. Deswegen reagieren hochsensible Menschen (HSPs) häufig emotional stärker.




Die Merkmale der Hochsensibilität


Hochsensibilität zeigt sich in:


Sinneswahrnehmung: Starke Reaktionen auf Geräusche, Gerüche, Licht und andere sensorische Eindrücke.


Emotionale Reaktion: Intensives Erleben von Gefühlen.


Empathie: Ausgeprägtes Einfühlungsvermögen.


Tiefes Nachdenken: Intensive Auseinandersetzung mit Dingen.



Hoch-dynamische Interaktion mit Umweltbedingungen


Die frühe Interaktion mit der Umwelt spielt eine besondere Rolle in der Entwicklung einer HSP-Persönlichkeit. Bei günstigen Bedingungen entwickeln HSPs oft überdurchschnittliche kognitive und sozio-emotionale Kompetenzen. Bei ungünstigen Bedingungen kann es zu Beeinträchtigungen kommen, die sich auch in Form von depressiven Verstimmungen manifestieren können.


Hypersensitivität lässt sich abgrenzen


Hochsensibilität sollte als Temperamentsmerkmal und nicht als Krankheit gesehen werden. Durch diese Perspektive lassen sich Besonderheiten im Kontext von HSP-Persönlichkeiten als Stärken entwickeln. Die Entwicklung einer positiven Sicht auf die eigene Empfindsamkeit ist zentral für Coaching und Therapie. Etwa 20% der Bevölkerung ist hochsensibel, unabhängig vom Geschlecht. Maskulinitäts-Stereotype stellen beispielsweise gerade männliche HSPs vor besondere Herausforderungen. Vielen HSPs wurde signalisiert, ihr Empfinden sei übertrieben. Deswegen limitieren sich viele HSPs durch unbewusste Selbststigmatisierung selbst. Elemente aus dem Selbstmitgefühl-Ansatz und die Arbeit mit inneren Anteilen sind dabei hilfreich.


Strategien für ein ausgeglichenes Leben


  1. Selbstfürsorge: Regelmäßige Ruhephasen sind wichtig.

  2. Grenzen setzen: Eigene Bedürfnisse erkennen und schützen.

  3. Reizreduktion: Umgebung reizarm gestalten.

  4. Austausch mit Gleichgesinnten: Kontakt zu anderen HSPs suchen.



Die drei Faktoren der Hochsensibilität


Aspekte von Hochsensibilität sind:


  1. Leichte Erregbarkeit

  2. Ästhetische Sensitivität

  3. Niedrige sensorische Reizschwelle



Herausforderungen im Alltag

Die erhöhte Sensibilität bringt Vorteile wie Kreativität und tiefes Verständnis, aber auch Herausforderungen wie Überreizung und Stress. HSPs haben ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen. Eine Abklärung durch eine:n PsychotherapeutIn ist bei Verdacht wichtig, und ein spezifisches HSP-Coaching kann sinnvoll sein.




Hochsensible Menschen in Unternehmen


Hochsensible Menschen (HSPs) bringen in Unternehmen zahlreiche wertvolle Fähigkeiten und Qualitäten ein, die in vielerlei Hinsicht den Unternehmensbetrieb bereichern können:


  1. Starke Empathie und zwischenmenschliche Fähigkeiten: HSPs können daher gut auf die Bedürfnisse und Gefühle ihrer Kolleg:Innen eingehen. Dies kann zu einer harmonischeren und kooperativeren Arbeitsumgebung führen.

  2. Ausgeprägte Beobachtungsgabe und Detailorientierung: Die scharfe Detailwahrnehmung kann in Bereichen wie Qualitätskontrolle, Forschung und Entwicklung oder bei der Erstellung präziser Berichte von großem Vorteil sein.

  3. Kreativität und Innovation: Viele HSPs verfügen über eine hohe Kreativität und ein starkes inneres Vorstellungsvermögen. Dies kann zu innovativen Ideen und Lösungen führen, die das Unternehmen voranbringen.

  4. Fähigkeit zur Wahrnehmung von Stimmungen und Dynamiken im Team: Veränderungen in der Teamdynamik und in der Stimmung sind für HSPs frühzeitig erkennbar, sodass sie adäquat darauf reagieren, was Konflikte vermindern und die Teamleistung verbessern kann.

  5. Sensibilität für Kundenerfahrungen und -bedürfnisse: Aufgrund ihrer Empathie und Detailorientierung können HSPs sehr gut auf die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden eingehen, was zu einer verbesserten Kundenzufriedenheit und Kundenbindung führen kann.


Fazit: Eine Gabe erkennen und wertschätzen


Hochsensibilität ist eine Gabe, die eine tiefere und reichere Welterfahrung ermöglicht. Hochsensible Menschen bereichern die Gesellschaft durch Empathie und Kreativität. Diese Fähigkeiten und Eigenschaften machen HSPs zu wertvollen Mitgliedern in Teams und Unternehmen. Ihre Sensibilität kann das Arbeitsumfeld bereichern und zur Erreichung von Unternehmenszielen beitragen. Es ist jedoch wichtig, dass Unternehmen ein unterstützendes Umfeld schaffen, in dem HSPs ihr volles Potenzial entfalten können, ohne sich überfordert oder gestresst zu fühlen. Achtsamkeit kann HSPs helfen, Reize zu steuern und Stress zu reduzieren. Durch Achtsamkeitsübungen können HSPs ihre Reaktionen besser regulieren und ihre Bedürfnisse klarer erkennen. Indem wir Sensibilität annehmen und pflegen, können wir ein erfülltes und harmonisches Leben gestalten - beruflich wie privat. Hochsensibilität ist ein Geschenk – es liegt an uns, dies zu erkennen und zu nutzen.



Für einen konstruktiven Umgang mit Umweltreizen im Kontext von HSP bieten meine Kurse Lösungsansätze zur Verbesserung der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. Die Kurse beinhalten nicht nur theoretisches Wissen zum Thema Stressmanagement, sondern auch achtsamkeitsorientierte praktische Übungen und Tools, die sich gut in den Alltag integrieren lassen.


Be Your Mindful Self.

Katharina Ogilvie





Quellen:


Brackmann, A. (2018) Jenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel? Die seelischen und sozialen Aspekte der Hochbegabung bei Kindern und Erwachsenen (8. Aufl.) Klett-Cotta



Krampe & van Rondenborgh, 2023. Hochsensivität - ein Temepramentsmerkmal bereichert Psychotherapie. Psychotherapeutenjournal. Link: 



Sand, I., & Doll, A. E. (2016). Die Kraft des Fühlens: Hochsensibilität erkennen und positiv gestalten (Originalausgabe). Verlag C.H.Beck. 

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