Warum wir ungesunde Beziehungsmuster oft wiederholen
- Katharina

- vor 5 Stunden
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und was Nervensystem, Selbstwert und echte Heilung damit zu tun haben.
Ungesunde Beziehungsmuster zeigen sich nicht nur in romantischen Partnerschaften, sondern auch im beruflichen Kontext – etwa in der Dynamik zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden. Unser Nervensystem speichert frühere Erfahrungen und wiederholt vertraute Dynamiken – selbst wenn sie uns schaden. In diesem Artikel erfährst du, wie emotionale Hygiene, Selbstwert und Regulation helfen, gesunde Beziehungen bewusst zu gestalten.
Vielleicht kennst du es so:
Du gerätst immer wieder an emotional distanzierte Partner.
Oder an Chefs, die unberechenbar sind.
Oder an KollegInnen, bei denen du dich ständig beweisen musst.
Oder du fühlst dich in Teams schnell verantwortlich für die Stimmung aller.
Unterschiedliche Kontexte. Gleiche innere Dynamik.
Die Frage ist nicht nur: „Warum passiert mir das immer wieder?“
Sondern: Warum fühlt sich genau diese Dynamik für mein System so vertraut an?

Beziehungsmuster entstehen im Nervensystem – nicht im Verstand
Wenn Nähe früher mit Unsicherheit, Unberechenbarkeit oder Leistungsdruck verbunden war, speichert unser System genau das als „normal“.
Später fühlt sich ein distanzierter Partner nicht fremd an. Ein kritischer Chef nicht ungewöhnlich. Eine emotional unklare Kollegin nicht alarmierend.
Es fühlt sich vertraut an.
Und Vertrautheit wird häufig mit „Chemie“ oder „Das ist halt so“ verwechselt.
Emotionale Unverfügbarkeit zeigt sich nicht nur romantisch
Emotionale Unverfügbarkeit existiert auch im beruflichen Kontext:
Führungskräfte, die Feedback nur geben, wenn es brennt
Vorgesetzte, die Nähe herstellen und sich dann abrupt zurückziehen
Kolleg:innen, die mal sehr verbindlich sind und dann tagelang distanziert
Teams, in denen emotionale Themen unter den Teppich gekehrt werden
Was entsteht? Unsicherheit. Grübeln. Daueranspannung.
Und genau hier beginnt die physiologische Dimension.
Warum sich ungesunde Dynamiken so intensiv anfühlen
Unser Gehirn reagiert stark auf Unvorhersehbarkeit.
Wenn Wertschätzung, Anerkennung oder Nähe nicht konstant, sondern wechselhaft auftreten, wird besonders viel Dopamin ausgeschüttet. Das motiviert uns, „dranzubleiben“.
Im Arbeitskontext kann das bedeuten:
Wir versuchen noch mehr zu leisten.
Wir wollen endlich das klare Lob.
Wir hoffen auf Stabilität.
Gleichzeitig steigt Cortisol – das Stresshormon. Wir sind innerlich angespannt, analysieren jede Mail, jede Antwortzeit, jede Stimmung.
Diese Mischung aus Hoffnung, Stress und gelegentlicher Entlastung fühlt sich intensiv an. Aber Intensität ist nicht Sicherheit.
Gesunde Beziehungen beruhigen das Nervensystem
Echte, gesunde Beziehungen – egal ob privat oder beruflich – haben eine andere neurobiologische Qualität.
Sie basieren stärker auf:
Verlässlichkeit
Klarheit
Konsistenz
emotionaler Verantwortung
Hier sind eher Oxytocin und Serotonin aktiv – Botenstoffe für Bindung und Stabilität.
Das fühlt sich ruhiger an. Weniger dramatisch. Weniger berauschend.
Und für Menschen, deren System an emotionale Achterbahnen gewöhnt ist, kann sich diese Ruhe zunächst ungewohnt anfühlen - ob in beruflichen oder privaten Beziehungen.

Warum wir Muster wiederholen
Beziehungsmuster sind gespeicherte Erfahrungen.
Wenn wir früh gelernt haben:
Ich muss mich anpassen, um akzeptiert zu werden.
Ich bekomme Nähe nur, wenn ich Leistung bringe.
Emotionen sind zu viel.
Konflikte bedeuten Gefahr.
Dann suchen wir unbewusst Situationen, die dieses innere Skript bestätigen.
Nicht, weil wir Schmerz wollen. Sondern weil unser System Vertrautheit mit Sicherheit verwechselt.
Beziehungen sind ein Gesundheitsfaktor – nicht nur ein Lifestyle-Thema
Langzeitstudien zeigen klar: Die Qualität unserer Beziehungen beeinflusst unsere psychische und körperliche Gesundheit maßgeblich.
Der Psychiater Robert Waldinger, Leiter der Harvard Study of Adult Development, betont, dass stabile, sichere Beziehungen der wichtigste Prädiktor für langfristige Gesundheit sind.
Nicht Karriere. Nicht Status. Nicht Disziplin.
Sondern Verbindung.
Chronisch unsichere, spannungsgeladene Beziehungsdynamiken hingegen halten das Nervensystem dauerhaft im Alarmzustand – mit Auswirkungen auf Schlaf, Immunsystem, Herz-Kreislauf-System und psychische Stabilität.
Emotionale Hygiene: der unterschätzte Schlüssel
Wir sprechen viel über körperliche Hygiene. Aber kaum über emotionale.
Emotionale Hygiene bedeutet:
Gefühle wahrnehmen
Stress regulieren
Grenzen klären
alte Verletzungen nicht verdrängen
Unverarbeitete Erfahrungen wirken im Hintergrund weiter – und nähren alte Muster.
Erst wenn Emotionen Raum bekommen, kann echte Heilung beginnen.

Selbstwert aufbauen heißt: nicht mehr um Sicherheit kämpfen
Ein stabiler Selbstwert zeigt sich nicht im Selbstbewusstsein nach außen, sondern in innerer Sicherheit.
Du erkennst ihn daran, dass du:
dich nicht permanent beweisen musst
emotionale Inkonsistenz nicht mehr romantisierst
klare Kommunikation erwartest
Verantwortung nicht automatisch übernimmst
Selbstwert ist ein Nervensystemzustand.
Wenn du dieses Thema vertiefen möchtest, findest du dazu Impulse in meinem E-Book „Du bist gut genug“ – eine Einladung, deinen Wert nicht länger von äußeren Reaktionen abhängig zu machen.
Muster verändern heißt: das Nervensystem umlernen lassen
Ungesunde Beziehungsmuster lösen sich nicht durch Analyse allein. Sie verändern sich nicht durch „sich zusammenreißen“ oder noch mehr Verständnis für andere.
Sie verändern sich, wenn dein Nervensystem neue Erfahrungen macht.
Das beginnt mit einem ehrlichen Innehalten:
Welche alten Muster wirken hier gerade?
Welche Verletzungen werden berührt?
Was löst diese Beziehung in meinem Körper aus?
Statt gegen Gefühle anzukämpfen, geht es darum, sie wahrzunehmen, wirken zu lassen und anzunehmen. Nicht dramatisieren. Nicht verdrängen. Sondern regulieren.
Der nächste Schritt ist entscheidend:
Was gibt mir jetzt Sicherheit? Wer oder was beruhigt mein Nervensystem? Welche Ressourcen helfen mir, aus dem Alarmzustand herauszufinden?
Erst wenn dein System sich reguliert hat, kannst du klarer entscheiden:
Tut mir diese Beziehung dauerhaft gut?
Wie oft bin ich im Kontakt mit dieser Person im Stress?
Fühle ich mich sicher oder angespannt?
Handle ich aus innerer Ruhe – oder aus Angst vor Verlust, Konflikt oder Ablehnung?
Bewusste Entscheidungen entstehen aus innerer Sicherheit – nicht aus Alarm.
Fazit
Beziehungsmuster sind keine Charakterschwäche. Sie sind gespeicherte Erfahrungen.
Doch gespeicherte Erfahrungen sind veränderbar.
Gesunde Beziehungen – ob privat oder beruflich – sind kein Luxus. Sie sind ein zentraler Gesundheitsfaktor.
Robert Waldinger zeigt eindrücklich, dass die Qualität unserer Beziehungen dafür verantwortlich ist, ob wir langfristig gesund bleiben oder nicht. Und der Schlüssel dafür ist eine sichere Verbindung.
Und sichere Verbindung beginnt in dir.
Wenn du tiefer gehen möchtest
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dein Nervensystem bewusster zu regulieren
emotionale Muster im Körper zu erkennen
alte Verletzungen achtsam zu verarbeiten
und innere Sicherheit aufzubauen
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"Du bist gut genug - Stärke deinen Selbstwert und lasse Selbstzweifel los": Du bist gut genug
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Katharina Ogilvie
Quellen:
„What Makes a Good Life?“ – TED Talk & Harvard Study of Adult Development, Robert Waldinger
Ogilvie, Katharina: E-Book-Reihe zu Selbstführung & Stressbewältigung. 2023. Bookboon



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