Achtsamer Umgang mit KI: Wie wir digitale Beziehungen nutzen, ohne echte Verbindung zu verlieren
- kathyogilvie
- 8. Sept.
- 3 Min. Lesezeit
KI ist überall. Chatbots, smarte Tools, Social Media – künstliche Intelligenz begleitet uns längst im Alltag. Viele Menschen wenden sich dabei unbewusst an KI für Dinge, die sie eigentlich in menschlichen Beziehungen suchen: Orientierung, Unterstützung oder sogar Trost.
Kurzfristig kann das beruhigen – doch die Gefahr ist groß, dass wir uns abhängig machen und echte Beziehungen mit Reibung, Nähe und Tiefe verlernen.
In diesem Artikel erfährst du:
👉 Warum digitale Beziehungen unser Nervensystem beruhigen können – aber echte Nähe nicht ersetzen.
👉 Welche Risiken entstehen, wenn wir KI als „Therapie-Ersatz“ nutzen.
👉 Praktische Tipps, wie du KI bewusst und achtsam einsetzt.
👉 Warum echte Begegnungen – auch wenn sie anstrengend sind – deine Psyche langfristig stärken.

Digitale Beziehungen: Warum KI uns kurzfristig beruhigt
Die Psychologin Dr. Johanna Degen (Swipe, like, love: Intimität und Beziehung im digitalen Zeitalter) beschreibt, dass Online-Beziehungen und Influencer-Kontakte als „parasoziale Annäherung“ wirken. Sie schaffen kurzfristig Nähe und können sogar Hormone wie Oxytocin freisetzen – ähnlich wie echte soziale Interaktion.
👉 Deshalb fühlen wir uns nach einem Chat mit KI oder beim Konsum von Influencer-Inhalten oft entspannter.
❌ Doch langfristig verhindern parasoziale Beziehungen echte Tiefe: Es fehlen Reibung, Authentizität und Konflikte – all das, was unsere Psyche stabilisiert.
Risiken beim Einsatz von KI
So hilfreich KI im Alltag ist – gerade bei emotionaler Nutzung entstehen Risiken:
Abhängigkeit: Wer KI regelmäßig als „Beruhigungs- oder Therapie-Ersatz“ nutzt, gewöhnt sich daran, dass sie jederzeit verfügbar ist. Fällt der Chatverlauf weg oder ein Update verändert die Dynamik, kann das bei labilen Personen sogar extreme Krisen auslösen. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen Betroffene in psychotische Zustände geraten sind.
Verlust des eigenen Denkens: Wenn wir KI zu stark für Entscheidungen und Reflexion nutzen, geben wir Verantwortung ab. Langfristig schwächt das unsere Fähigkeit, selbst Klarheit zu entwickeln.
Bequemlichkeit statt Begegnung: KI ist so angepasst, dass sie uns nie widerspricht oder verletzt. Das wirkt angenehm – aber wir verlernen dadurch, echte Beziehung mit Reibung, Auseinandersetzung und Wachstum zu leben.
Illusion von Kontrolle: KI reagiert perfekt auf unsere Bedürfnisse. Doch diese „maßgeschneiderte Beziehung“ bleibt einseitig und kann Selbsttäuschungen verstärken.
👉 Achtsamkeit bedeutet hier: KI bewusst als Werkzeug nutzen, nicht als Ersatz für Beziehung oder Selbstwahrnehmung.
Echte Begegnung vs. digitale Kontakte
Ein Experiment zeigt es eindrucksvoll: Studierende, die bewusst soziale Aktivitäten wie gemeinsames Eisbaden, Grillen, Campen oder fremde Menschen ansprechen ausprobierten, berichteten von deutlich mehr psychischem Wohlbefinden als diejenigen, die nur digitale Kontakte pflegten.
👉 Echte Begegnungen fordern uns. Aber genau das stärkt Resilienz, Selbstwert und emotionale Stabilität.
👉 Digitale Kontakte dagegen bleiben oft „reibungslos“ – und machen uns langfristig verletzlicher.

4 Tipps für den achtsamen Umgang mit KI
Damit KI dich unterstützt, ohne dich abhängig zu machen, helfen diese Strategien:
Bewusst entscheiden: KI für Routine & Recherche nutzen – nicht für Beziehungspflege oder emotionale Stabilität.
Co-Pilot statt Autopilot: KI kann Routineaufgaben erleichtern – aber die menschliche Intuition und Verantwortung bleiben bei dir.
Input-Diät: Weniger ist mehr. Nimm nicht alles auf, was KI liefert. 1–2 zentrale Outputs reichen – so bleibt dein Nervensystem klar.
Echte Mikro-Momente einbauen: Wenn du spürst, dass du Unterstützung brauchst: Nimm dir eine Atempause, und höre in dich hinein: Was brauchst du genau? Oft ist es Verbindung, eine Umarmung, Zuspruch und das Gefühl, nicht allein zu sein. Statt KI nach Rat zu fragen, ruf eine Kollegin oder eine Freundin an. Statt Influencer-Stories zu scrollen, sprich 5 Minuten mit einem echten Menschen. Dein Körper reagiert spürbar anders: Cortisol sinkt, Oxytocin steigt durch echte Verbindung.
Fazit: KI bewusst nutzen – Mensch bleiben
KI und digitale Beziehungen können unser Nervensystem beruhigen und den Alltag erleichtern. Aber: Wer sie zu stark emotionalisiert, läuft Gefahr, abhängig zu werden, echtes Denken abzugeben und reale Beziehungen zu verlernen.
👉 Nutze KI achtsam als Werkzeug.
👉 Pflege echte Begegnungen – auch wenn sie "anstrengender" erscheinen. Das stärkt deine Beziehungsfähigkeit und Resilienz langfristig.
👉 Stärke dein Nervensystem durch Sonnenlicht, Pausen, Bewegung und echte Gespräche.
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Dort erfährst du, wie digitale Reizüberflutung entsteht, wie KI unser Nervensystem beeinflusst – und welche praktischen Tools dir helfen, Klarheit, Präsenz und Energie zurückzugewinnen.
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Katharina Ogilvie
Quellen:
Johanna L. Degen: Swipe, like, love: Intimität und Beziehung im digitalen Zeitalter (2024).
Interview Psychologie Heute: Humanistisches Dating
re:publica-Sprecherprofil Johanna Degen (Tinder-Fatigue, parasoziale Beziehungen).
Arne Prieß: Digital Overload Management (Haufe, 2019).



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