Warum wir immer "Mehr" wollen - und wie Achtsamkeit uns zurück zu echter Erfüllung führt
- Katharina

- 22. Sept.
- 3 Min. Lesezeit
In einer Welt voller Reize und Ablenkungen ist es leicht, sich im Streben nach „mehr“ zu verlieren: mehr Erfolg, mehr Konsum, mehr Anerkennung. Doch warum ticken wir Menschen so – und was steckt dahinter?

Neurobiologie: Warum Dopamin uns antreibt
Dopamin ist der Neurotransmitter für Erwartung und Motivation. Es wird weniger ausgeschüttet, wenn wir etwas haben, sondern vor allem, wenn wir erwarten, dass gleich etwas kommt.
Der Klick „Kaufen“ oder die Aussicht auf eine Nachricht → Dopamin-Peak.
Evolutiv war das überlebenswichtig: Dopamin hat uns motiviert, Nahrung zu suchen, neue Gebiete zu erkunden, Risiken einzugehen.
👉 Heute sind wir jedoch permanent Reizen ausgesetzt (Shopping, Social Media, Glücksspiel, Zucker). Das System wird überflutet – und wir jagen ständig „den nächsten Kick“, ohne echte Sättigung. In einer Welt des Überflusses führt das zu einer permanenten Reizüberflutung. Kurzfristig fühlen wir einen Kick, langfristig jedoch entsteht innere Unruhe, Anspannung und sogar Erschöpfung, weil das Nervensystem nie wirklich in die Ruhe kommt.
Psychologie: Warum „mehr“ so verlockend ist
Vergleich: Das Gehirn liebt soziale Hierarchien. „Bin ich besser, schöner, erfolgreicher?“ → Sicherheit in der Gruppe.
Mangelprägung: Viele Menschen tragen unbewusste Glaubenssätze wie „Ich bin nicht genug“. Dann wird „Mehr“ zur Kompensation im außen, obwohl das Mangelgefühl im Inneren sitzt.
Konditionierung: Werbung, Social Media und Gesellschaft verstärken die Illusion, dass Glück im Außen liegt.
Wenn wir uns permanent diesen kurzfristigen "Glücksmomenten" hingeben, verlieren wir immer mehr das Gefühl für uns selbst und vermeiden es umso mehr, in die Stille mit uns selbst zu gehen. All diese Reize sind schließlich auch ein Ablenkungsmechanismus, um unangenehme Gefühle nicht spüren zu müssen.
„Mehr haben“ ist oft nur ein Ersatz für das, was wir wirklich suchen: Verbundenheit, Liebe, Sinn.
Süchte sind Ersatzhandlungen für die Sehnsucht nach Präsenz (und uns selbst zu spüren)
Das Ego will „mehr“ – die Seele will „tiefer“.

Warum es überhaupt Lust/Kick verursacht
Unser System ist darauf ausgelegt, Belohnungssignale zu verstärken. Wenn etwas gut tut (z. B. Beeren finden), sollen wir es wiederholen. Doch in einer Welt des Überflusses feuert Dopamin permanent. Das fühlt sich wie Glück an, ist aber oft nur Anspannung + Entladung – keine echte Erfüllung.
Die Lösung: Balance statt Verzicht
Wir ticken so, weil wir biologisch auf „Suche & Belohnung“ programmiert sind, psychologisch in Mangel hineingewachsen sind – und spirituell eigentlich nach Tiefe suchen.
Die Lösung: unser Belohnungssystem resetten und Glück nicht mehr nur aus Dopamin-Kicks, sondern aus echter Befriedigung ziehen.
Dopamin-Fasten / Reizreduktion
1 Tag/Woche ohne Social Media, Online-Shopping, Zucker oder Serien.
Effekt: Das System wird sensibler, kleine Dinge machen wieder Freude.
Hin zu "tiefem" Glück
Serotonin: Natur, Tageslicht, Dankbarkeit.
Oxytocin: Nähe, Berührung, Vertrauen.
Endorphine: Bewegung, Lachen, Flow.
Das sind die „ruhigen Hormone“, die dich nähren – ohne Absturz danach.
Achtsamkeit & Präsenz
Bewusst innehalten: Was brauche ich gerade wirklich?
Oft ist es nicht ein neuer Kick, sondern Ruhe, Wasser, Natur, Kontakt.
Werte statt Ersatz
Konsum, Zucker und Dopamin-Kicks sind oft Stellvertreter für Sicherheit, Anerkennung, Selbstliebe.
Frag dich: „Wofür brauche ich eigentlich mehr?“
Stellvertreter & echte Bedürfnisse
Sicherheit
Ersatz: Konsum, Kontrolle, Vorratshaltung
Nahrung: Rituale, Erdung, Strukturen
Anerkennung
Ersatz: Likes, Statussymbole, Überarbeiten
Nahrung: Dankbarkeit, echtes Feedback, Menschen die dich wirklich sehen
Selbstliebe
Ersatz: Süßigkeiten, Shopping, Ablenkung
Nahrung: Selbstmitgefühl, Körperpflege, Innere-Kind-Arbeit
Verbundenheit
Ersatz: Social Media, Dauererreichbarkeit
Nahrung: Tiefe Gespräche, Community, Natur
Freude und Lebendigkeit
Ersatz: Glücksspiel, riskantes Verhalten
Nahrung: Kreativität, Lachen, Flow-Momente

Fazit
Es geht nicht darum, auf alles zu verzichten. Es geht darum, das Gleichgewicht wiederherzustellen:
Weniger Dauerstimulation (Dopamin).
Mehr nährende Freude (Serotonin, Oxytocin, Präsenz).
Echtes Glück entsteht, wenn wir uns mit unseren wahren Bedürfnissen verbinden – nicht mit ihren Stellvertretern.
Wenn du merkst, dass du immer wieder nach „mehr“ greifst, aber dir dabei die Tiefe fehlt: In meinen Kursen, Retreats und Coachings findest du Räume, in denen du nicht mehr funktionieren musst – sondern einfach du selbst sein darfst. Hier findest du alle aktuellen Angebote.
Katharina Ogilvie



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